Die Nase des Cyrano de Bergerac – Stillübungen

Der Nasenmonolog zeigt, wie Cyrano in tiefer Kränkung/Beleidigung kreativ und hochpoetisch, dabei noch mit feinster (Selbst)Ironie seinen Beleidiger in die Schranken weist. Diese Bravour sei uns Beispiel und Lehre im Umgang mit herausfordernden Emotionen in der Mediation. Transfer von Theatralischem, Dramaturgischem; szenisches Verstehen des professionellen Habitus in der Mediation. Spielerischer Schleuderkurs für das Befahren emotionaler Hochschaubahnen. Die Nase des Cyrano de Bergerac – ein Understatement? Statusspiele

Transfer von Theatralischem, Dramaturgischem; szenisches Verstehen des professionellen Habitus in der Mediation. Spielerisches Erkunden von Szenischem. Stilübungen, Variationen.

 

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Aniko Kaposvari, Mediatorin, Trainerin und Ausbilderin mit Schwerpunkt Interkulturalität. Gründerin und aktives Mitglied des international tätigen Playbacktheaters ADHOC-THEATER-WIEN. Arbeitsschwerpunkte: Erwachsenenbildung, Mediation, Performative Inszenierungen und Frieden stiftende Projekte. Praxis-Supervisorin, Referentin  bei der ARGE  Bildungsmanagement Wien, Lehrbeauftragte an die  Fakultät für Interkulturelle Pädagogik und Psychologie der ELTE Universität in Budapest.

Der Nasenmonolog aus “Cyrano de Bergerac” von Edmond Rostand
Deutsch von Wolfgang Adenberg


Ach, nein! Das ist ein bißchen dünn, mein Freund.
Man könnt’ da noch so manches sagen, wie mir scheint.
In mancher Tonart, - nehmen Sie zum Beispiel die:
Provokativ: “Hätt’ ich solch eine Nase, Herr, wie Sie,
Dann würd’ ich sie mir auf der Stelle amputieren lassen!”
Vertraulich: “Stört die sehr in Ihren Suppentassen?
Zum Trinken sollten Sie vielleicht ein Faß verwenden.”
Beschreibend: “Welch ein Fels! Ein Berg zum Schattenspenden.
Ach nein, was sag ich? Berg? Ein Bergmassiv ist das!”
Verblüfft: “Und diese lange Kapsel dient als was?
Als Schreibzeug oder als ein Maniküretui?”

Gerührt: “Wie schön, die Vögel int’ressieren Sie,
So daß Sie ihnen eine Hilfestellung gaben
Und diesen Nistplatz für sie eingerichtet haben?”
Geschmacklos: “Guter Mann, wenn beim Tabakgenuß
Den beiden Nasenlöchern Rauch entsteigt, dann muß
Die Nachbarschaft doch glauben, daß ein Brand ausbricht!”
Verbindlich: “Passen Sie nur auf, daß das Gewicht
Sie nicht vornüberzieht und Sie zu Boden fallen!”
Dezent: “Sie sollten ihr ein Schirmchen drüberschnallen,
Sonst bleicht die Gute in der Sonne zu sehr aus.”
Belehrend: “Aristophanes fand es heraus:
Das Tier, Hippocampelephantocamelos genannt,
Lief mit ‘nem ebensolchen Rüssel durch das Land!”

Brutal: “Das soll jetzt Mode sein? Indiskutabel!
Na ja, zum Hutaufhängen aber ganz passabel.”
Besorgt: “Wird’s dieser Meisternase mal zu kalt,
Verschickt sie ihre Nieser mit Orkangewalt!”
Dramatisch: “Wenn die blutet, steigt das Rote Meer!”
Erstaunt: “Welch Aushangschild für einen Parfümeur!”
Poetisch: “Seht! Das größte Muschelhorn auf Erden!”
Naiv: “Kann dieses Monument besichtigt werden?”

Galant: “Beim Wettlauf unterliegen Sie wohl nie.
Den größten “Vorsprung” haben schließlich immer Sie.”
Bäurisch: “Potztausend! Dat Jewächs da is nit ohne!
Entweder Riesenrübe oder Zwerchmelone!”
Soldatisch: “Alles Achtung! An die Nase! Feuer!”
Begeistert: “In der Lotterie wär’ die doch ungeheuer!
Fürwahr, Monsieur, das ist ein echter Hauptgewinn!”
Und schließlich, den betrübten Pyramus im Sinn:
“Nun schickt mich diese Nase also in den Tod!
Infam verriet sie mich! Da, seht nur: Sie wird rot!”

So oder ähnlich hätten Sie mich foppen können,
Würden Sie Bildung und Verstand Ihr eigen nennen.
Doch statt gebildet sind Sie nur ein Jammerbild!
Und Ihr Gehirn ist nicht ein Jota mit Verstand gefüllt.
Jedoch: Besäßen Sie tatsächlich solche Geisteskraft,
Um sich im Beisein dieser edlen Hörerschaft
Zu unterstehn, mir alle diese mörderischen,
Beleidigenden Nasenscherze aufzutischen,
Dann würde schon der erste Laut vom ersten Wort
Vom ersten Satz Ihr letzter sein. Denn hier und dort
Verspott’ ich mich zwar manchmal selber gern und gut,
Doch ich erlaube nicht, daß es ein andrer tut!”